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Das Auge fühlt mit - die Poesie der Haptik

Das Auge fühlt mit – die Poesie der Haptik

Mit den Händen sehen, mit den Augen fühlen.”                  Johann Wolf­gang von Goethe Was haben hand­ge­ar­bei­tete Kera­mik­be­cher, Waffel­­­piqué-Hand­tü­cher und hand­ge­schöpftes Papier gemeinsam? Genau, man muss sie nur anschauen und kann sie schon fühlen. Manchmal sind es solche Dinge, die kleinen Augen­bli­cken Tiefe verleihen, man spürt sie und  entgeht für einen Moment dem Über­fluss an visu­ellen Reizen und der Flut an Kurz­bot­schaften. Ich finde Produkte fantas­tisch, die mehrere unserer Sinne anspre­chen. Die Körper­lich­keit, das Begreif­bare, die Haptik werden hoffent­lich niemals an Bedeu­tung verlieren. Viel zu oft nehmen die Augen am Bild­schirm den Händen die Arbeit ab. Dabei tut es so gut, sich mit den Händen zu verge­wis­sern, dass die Welt noch real ist. Es liegt doch in unserer Natur, Dinge zu begreifen, etwas fassen zu können. Haptik – Sinn und Sinn­lich­keit In eine sinn­lich erfahr­bare Welt gehören für mich unbe­dingt Werk­stoffe und Hand­werks­be­rufe. Hand­werk­lich gefer­tigte Produkte aus Natur­ma­te­ria­lien, wie z.B. Holz, Natur­fa­sern oder Ton geben uns Halt. Authen­ti­zität ist gefragt – und wo finden wir sie mehr als bei hand­ge­ar­bei­teten …

Stanislava Maryskova, Atelier Detail

Zu Besuch im Atelier…

Für mich ist es immer wieder faszi­nie­rend, Einblicke in die Arbeit krea­tiver Menschen zu bekommen. Es ist so wichtig, dass wir in der heutigen Zeit der Massen­pro­duk­tion und 3D-Drucker das Hand­werk nicht aus den Augen verlieren. Stanis­lava Maryš­ková, Keramik-Küns­t­­lerin aus Hamburg, hat mich in ihr Atelier einge­laden. Von krea­tivem Chaos ist hier nichts zu sehen. Dafür schmü­cken Zeich­nungen, Drucke und Male­reien die Wände des Ateliers.  Auf den Schränken stehen Skulp­turen, Arbeits­ma­te­ria­lien und Werk­zeuge. Kleine Still­leben, die von krea­tivem Schaffen flüs­tern… Frau­en­leben… – so heißt das jüngste Projekt der Künst­lerin, das sie im Kera­mik­for­schungs­zen­trum Guld­ager­gaard in Skaelskor in Däne­mark geschaffen hat.Vier Wochen hat sie hier mit einer Gruppe inter­na­tio­naler Künstler gear­beitet und  wunder­schöne Skulp­turen geschaffen. Akt-Skul­p­­turen Wenn Stanis­lava Maryš­ková ihr Atelier verlässt und durch ihren Garten streift, ist sie niemals alleine. Rapunzel, Katha­rina, die kleine Meer­jung­frau leisten ihr Gesell­schaft. Schöne Frauen, alle auf ihre Art ganz einzig­artig. Figuren aus Ton, manche berei­chert mit einer Patina, an der das Wetter über Jahre gear­beitet hat. Man muss einen Blick für Formen und Situa­tionen haben, um solche Figuren zu schaffen. …